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Mein Leben mit Mitbewohnern 🏡

Heute hat meine Mitbewohnerin Alina Geburtstag. Alina ist eine tolle Mitbewohnerin. Aus diesem Anlass heraus möchte ich ein wenig ausführen, warum es so bereichernd und schön ist, tolle Mitbewohner/innen wie Alina zu haben. Da Alina so viel Aufmerksamkeit und große Worte um sich wahrscheinlich gar nicht mag, lass ich bei meiner Reflexion auch noch Erfahrungen aus vergangenen Jahren einfließen…

Ich habe noch noch nie alleine gewohnt. Seit Verlassen meines Heimatnestes habe ich etwa fünf Jahre in einem katholischen Wohnheim, ca. 4 Jahre in diversen WGs im In- und Ausland und auch mehrere Monate in Familien gewohnt. WG-Horror-Stories gibt es genug, hier einige Vorzüge gemeinschaftlichen Lebens:

🎉1.) Leben in der Bude

Ein Hauskreis-Treffen in meiner ersten Münsteraner WG 🙂

Manchmal waren meine Mitbewohner unterwegs und ich war alleine. Oft freute ich mich am Anfang über die Ruhe, die ich sicherlich zum Lernen oder zur Kontemplation nutzen würde. Doch nach kurzer Zeit merkte ich, dass dieses „Klosterleben“ nichts für mich ist und dass ich am Leben mit Mitbewohnern so sehr die Lebhaftigkeit schätze: Hier mal ein Kaffeegespräch, da ein gemeinsames Frühstück, gelegentlich ein WG-Abend oder ein gemeinsames Grillen.
Mit dabei: Dampf ablassen über Uni oder Schule. Frustrationsabgleich über die eigene Prokrastination. Eine Diskussion über den neusten Trump-Skandal. Neckerein über sehr lang klingelnde Wecker (sorry Alina ⏰😄). Austausch über Wochenendpläne. Zusätzliches Leben kam auch oft durch die Freunde meiner Mitbewohner rein – andere SMDler, Hauskreis, Studienkollegen, Dates… So wird es selten langweilig. Selbst wenn alle gerade beschäftigt in ihren Zimmern sind, ist es ein schönes Gefühl zu wissen, dass jemand in der Nähe ist.

 

 

🥗2.) Interessante Lebenskonzepte

Mein altes wunderbares Wohnheim, the best in MS ❤️

Gerade wenn man in einem Wohnheim wohnt, trifft man Menschen, die man normalerweise nicht näher kennenlernen würde. Oftmals lernt man sich in einer WG beiläufig in der Küche kennen, ohne Zwang zu längeren Gesprächen, aber auch ohne Vorbehalte gegen diese. Wer ein wenig Interesse zeigt, lernt die Lebens- und Denkweise von Menschen kennen, die einem vorher eher fremd waren. Ich denke da zum Beispiel an Justus, einem pfiffigen linksgrünen atheistischen veganen Politikstudenten, der mit großem Idealismus auf unseren Flur zog und diesen auch behielt. Auch wenn ich mich selbst politisch etwas konservativer einordnen würde, waren die Gespräche mit ihm stets intellektuell anregend, weil er viel las, nachdachte (das war für sogar eines seiner Lieblingstätigkeiten, das Nachdenken) und interessante Perspektiven mitbrachte. Während er seine Kürbissuppe und ich meine Pizza aß, konnten wir so über- und vielleicht auch etwas voneinander lernen.

Da war auch noch ein katholischer Theologe, mit dem ich spazieren ging und mich viel über die rechte Lehre und verschiedene Glaubenspraktiken austauschte. Oder der tamilische Mediziner, mit dem ich ein albernes „Musikvideo“ aufgenommen habe. Oder der männliche Grundschullehrer, der nicht so gerne mit Frauen sprach, aber trotzdem schneller als ich heiratete. Oder der nigerianische Priester, der mich von dem Wert von körperlicher Züchtigung überzeugen wollte. Oder der russlanddeutsche Familienvater, der einen herrlich selbst-ironischen Humor hat. Oder oder oder…

Dabei will ich nicht verhehlen, dass ich selbst für Andere auch manchmal ein Exot war. Im Wohnheim verwunderte man sich, warum ich manchmal morgens auf dem Balkon Bibel las („Fürs Studium?“), wie ich das alles mit den Frauen so handhabe oder wie jemand ausschließlich Ja-Produkte im Kühlschrank haben kann; woanders erstaunte man sich über mein Singen unter der Dusche u.v.m..

🍕3.) Sharing is caring

Ich muss gestehen: Was praktische Hilfe und Essensaustausch angeht, so habe ich doch deutlich mehr von meinen Mitbewohner/innen profitiert als sie von mir. Oftmals gaben sie mir Essensreste vom Kochen (danke Alina!) oder vom Café (danke Lukas!), manchmal aus Solidarität, vielleicht auch aus Mitleid. Rechte Kräfte würden mich wohl als „Sozialschmarotzer“ bezeichnen, so viel habe ich über die Jahre von Anderen ohne nennenswerte Gegenleistung erhalten. Zumindest kann ich gelegentlich mit technischen Skills, einem funktionierenden Drucker, meinem Werkzeugkoffer (ja, tatsächlich!) oder mit einem offenen Ohr (ihr seht schon, mir geht die Luft aus) zur Seite stehen.

Gerechter Ausgleich hin- oder her, es ist prinzipiell und auch praktisch echt schön und hilfreich, wenn man sich gegenseitig mit Essen, Essenszutaten, einem Schraubenzieher, einem Haustürschlüssel, einem Leihrad oder was auch immer recht unkompliziert aushelfen kann. 🙂

🤝4.) Füreinander da sein

Das Leben ist nicht immer Frühling. Mittlerweile habe ich mehrfach miterlebt, wie es ehemaligen Mitbewohnern nicht gut ging. Mal waren es Zweifel am Studium (Abbruch ja/nein?), mal eine versemmelte Prüfung, mal persönliche Ängste. Mitbewohner können und sollen so etwas nicht wirklich auffangen, aber manchmal tun sie es doch, ohne es direkt zu beabsichtigen. Nicht unbedingt durch therapeutische Gespräche, aber durch das bloße „Da-Sein“. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in meinem ersten Studienjahr mit meinem BWL-Studium nicht zurechtkam und wie sehr mich im Studiengang sehr unwohl fühlte. Ich wüsste nicht, wie ich ohne meine liebe WG mit dieser schwierigen Situation, mein erstes richtiges und offensichtliches „Scheitern“, umgegangen wäre. Ein Alleinsein zu Hause hätte sicherlich zu noch mehr Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit geführt…

💪5.) Motivation

Zu sehen, wie andere ihren Alltag gestalten und ihr Leben leben, kann motivierend und inspirierend für die eigene Lebensgestaltung sein.

Kommen wir zu unserem heutigen Geburtstagskind zurück, so bewundere ich, wie sie es schafft, für so viele verschiedene Menschen da zu sein, so oft Übernachtungsbesuch aufzunehmen (auch spontan) und nebenbei noch für drei Fächer (darunter Mathe! 😱) bis teils tief in die Nacht zu lernen. Manchmal treibt mich das an, selber ein bisschen mehr zu geben.

Teilweise hat mich auch die Ernährungsweise oder der Sinn für Ordnung meiner aktuellen und vorherigen Mitbewohner herausgefordert, wenn sich auch zugegeben diese Herausforderungen nicht oft in konkrete Verhaltensänderungen verwandelt haben, aber diese Problematik ist Stoff für einen späteren Artikel….

Letztendlich hat mich mein Leben mit Mitbewohnern auch für mein zukünftiges Eheleben motiviert. Ich möchte auch später ein offenes Haus mit viel Aus- und Eingang und gegenseitiger Unterstützung bieten bzw. sein. Zum Glück teilt Luise diese Vision 🙂 Ein bisschen wehmütig bin ich aber dennoch, nächstes Jahr mit der Hochzeit mein WG-Leben ad acta zu leben. Nie mehr so viele verschiedene Menschen um einen herum? Ich träume immer noch von Ideen wie „shared living/housing“, christlichen Wohnkommunen oder ähnlichen. Jemand dabei? 🙂

Alles Gute & Gottes Segen, Alina und liebe Grüße auch an alle anderen vergangenen und gegenwärtigen tollen Mitbewohner. ☺️

euer Sebastian

PS: Als kleiner amüsanter Ausklang hier ein wenig Albernheit beim WG-Frühstückstisch 🎶😄

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