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Hirnwäsche. Dieses Wort erblickte ich gestern auf der Promenade auf dem Weg nach Hause. Mit dem Pfeil Richtung Open-Air-Gottesdienst vor dem Schloss richtete sich diese „Kritik“ eindeutig an den Katholikentag, der bis gestern in Münster stattfand. Sie war gut platziert: Tausende Menschen liefen hier entlang, viele Katholikentagsbesucher haben es zumindest kurz wahrgenommen. Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag.

Auch wenn ich durchaus ein streitbarer Genosse bin, habe ich mich an dieser destruktiven „Schlagwort“-Kritik gestört. Hier drei Gründe, warum ich diese und ähnliche Kritikformen für gefährlich halte:

😤😒1.) Destruktive Kritik schafft Negativität

katholikentag - WN.de - Gunnar Pier
© Gunnar Pier, Westfälische Nachrichten

Ich bin selbst ein wenig auf dem Katholikentag herumgeschlendert und habe dabei viele fröhliche und interessierte Besucher gesehen. Es war eine Atmosphäre von Gemeinschaft und Freundlichkeit zu spüren. Ich erinnere mich da zum Beispiel an einen älteren Herrn aus Regensburg, der mich nach dem Weg zur Stein-Aula  fragte. Er bedankte sich vielmals für die Navigationstipps und tat dies einen schönen bayrischen Akzent. 🙂

Nun, was denken wohl solche Menschen, wenn ihnen auf dem Weg unterstellt wird, dass sie sich gerade einer Hirnwäsche unterziehen? Solch eine negative Botschaft zerstört – wenn auch nur für einen kurzen Augenblick – die Freude an der Veranstaltung, am „Da-Sein“; sie ruft Zweifel oder Verärgerung in einem Moment hervor, in dem Menschen das Gegenteil erleben möchten. Destruktive Kritik vergiftet Atmosphäre, weil sie weder Respekt vor sakralen Momenten noch für andere Formen des Denkens und Glaubens zeigt.

🤷‍♂️👎2.) Destruktive Kritik ist nutzlos

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Sicherlich kann man die Doktrin, das Auftreten und einige Praktiken der katholischen Kirche kritisieren. Ich selbst bin kein Katholik und werde es aufgrund etlicher theologischer Vorbehalte auch nie werden. Ebenso kann man die immensen Kosten, die eine Großveranstaltung wie der Katholikentag auch für den Staat verursacht, anprangern. Aber diese Kritik sollte sachlich, differenziert, begründet und taktvoll geäußert werden, möglichst im direkten Dialog. Ein anonymes Schlagwort auf der Straße kann all dies nicht leisten und führt letztendlich zu nichts. Wird sich wohl irgendein Katholik von der Kirche abwenden, weil ein besonders Scharfsinniger „Hirnwäsche“ auf die Straße gekritzelt hat? Wohl kaum. Wird die Kirche ihre Praktiken nun überdenken? Welche denn? Dafür ist die Kritik viel zu vage, zu allgemein. Wer sich mit den Missständen der Kirche beschäftigen will, kann dies gerne in der Literatur, im Internet oder im Gespräch mit Anderen tun. Aber bitte nicht so. Ähnlich platt empfinde ich übrigens FCKAFD-Aufkleber. Ich glaube Kritik geht besser.

😑 3.) Destruktive Kritik ist nervig

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Buntes Treiben

Gerade in den sozialen Medien wird Kritik oft destruktiv und nicht zielführend geäußert: Dahingeklatschte Kommentare. Unbegründete Meinungen. Polemik. Das immer wieder zu lesen nervt und ermüdet mich.

Auch in meinem persönlichen Leben störe ich mich an destruktiver Kritik, manchmal auch an meiner eigenen. Wie schnell kritisiert man, kritisiere ich, nur destruktiv, d.h. ohne Ziel und ohne Konkretisierungen. Denn konstruktive Kritik ist anstrengend: Man muss sich Gedanken machen, was die andere Person mit der Kritik anfangen kann und wie sie die Kritik umsetzen kann oder soll. Man muss die Kritik so konkret wie möglich gestalten und dabei spezifische Verhaltensweisen identifizieren und artikulieren. Schlecht: „Manchmal verhältst du dich voll blöd“. Schon besser: „Du hast dich gestern zurückhaltender, gereizt und weniger gesprächig gezeigt. Stimmt was nicht?“ Von mir aus auch als Ich-Botschaft. 😉Konstruktive Kritik versteckt sich nicht, sondern sucht, wo es geht, das direkte Gespräch, auch wenn es Überwindung und Taktgefühl erfordert.

Das alles erfordert schon ein Mindestmaß an Anstrengung, aber auch an gutem Willen. Mir selbst ist dieser Post ein Ansporn, kritische Gedanken an Systemen, Gemeinden oder besonders an Personen so konstruktiv und konkret wie möglich zu gestalten. Nur so kommen wir weiter 🙂


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