Vier Hochzeitsvorbereitungstipps und warum sie nicht immer so leicht funktionieren

In weniger als 7 Wochen werde ich heiraten. Heiraten. Dieser Begriff ist so aufgeladen mit Superlativen, Schicksalshaftigkeit, mit so unglaublich hohen Erwartungen. „Der schönste Tag des Lebens“, „Der Tag, an dem man erwachsen wird“, „Der Tag, von dem kleine Mädchen schon ihr Leben lang träumen“. So oder so ähnlich hört man es von Hochglanz-Hochzeitsmagazinen, Freunden und vielleicht auch von sich selbst, wenn man nur lang genug im Hochzeitsdiskurs drinsteckt. Und jetzt steht diese im wahrsten Sinne des Wortes „höchste Zeit“ in meinem Leben an. 

Damit die eigene Hochzeit so schön und unvergesslich wird, wie man es immer hört und sieht, schnappt man den einen oder anderen Tipp auf. Viele davon klingen beim ersten Hören beruhigend und hilfreich, aber die Umsetzung erwies sich bei uns nicht immer ganz so einfach… Hier einige Beispiele:

1.) „Wir machen alles ganz einfach!“ ✌️ Oder doch nicht?

Anfangs haben wir gedacht, wir brauchen uns aufgrund einer Hochzeit nicht stressen. Wir gehen das alles „ganz entspannt“ an und lassen uns von nichts und niemand stressen. Überhaupt, der ganze Bohai der heute ums Heiraten gemacht wird… Wir sind bestimmt die Ausnahme, wo sich alles ganz einfach fügt. 

Haha. Falsch gedacht.

Je näher der persönliche D-Day rückt, desto mehr Entscheidungen müssen getroffen, Leute eingeladen, Aufgaben delegiert, Pläne durchdacht und Einkäufe bezahlt werden. Nach und nach merkt man, wie groß dieses Puzzle ist, was man da eigentlich gerade zusammensetzt… Es gibt sicherlich schlimmere Herausforderungen als eine Hochzeitsvorbereitung, aber ein Aasee-Picknick ist es auch nicht – zumindest wenn es nicht bei einem solchen bleiben soll. 

Der Glaube, eine Ausnahme zu sein und alles viel relaxter angehen zu können – egal ob Hochzeit, Ehe, Ref, Beruf etc. – ist recht verbreitet, zumindest in meiner Denke. Es ist ein niedlicher Versuch, sich von Konventionen und äußeren Ansprüchen freizumachen. Das kann durchaus auch in Ansätzen funktionieren, aber es kann auch wahlweise an Naivität oder sogar Arroganz grenzen, zu glauben, alle anderen stellen sich nur an und man selbst kriegt das schon gut hin. 

2.) „Seid doch ganz ihr selbst.“ ☺️

Gefühlt jede/r Fotograf/in schreibt auf seine/ihre Homepage, dass er/sie jedes Paar in ihrer Einzigartigkeit einfangen möchten: „Ganz wie ihr seid.“ Das klingt total schön, aber auch etwas knifflig, wenn man nicht gerade den ausgeprägtesten Stil entwickelt hat. Egal ob Kleid, Ringe, Location, Pastor, Essen – alles muss irgendwie individualisiert sein und ganz „unserem Wesen“ entsprechen. Immer wieder höre/lese ich Ratschläge und Tipps wie: „Das muss eben zu euch passen.“ „Fühlt euch frei, ganz ihr selbst zu sein.“ etc. Aber wer sind wir denn im Hinblick auf all diese Hochzeitsdinge? 

Ständig muss überlegen, ob man dieses oder jenes braucht: Brauchen wir eigentlich eine Candybar? Photobox? Hochzeitsauto? Einen besonderen Hochzeitstanz? Einen Videographen? Outdoor-Flair? Vintage-Style? X Anzahl an Gästen? „Passt das zu uns“? Je mehr andere Hochzeiten man gesehen hat, desto mehr Möglichkeiten zu feiern hat man gesehen. Ab ob dieser oder jenes mehr zu uns passt, können wir nur in seltenen Fällen mit absoluter Bestimmtheit sagen. Aber vielleicht ist dieser ganze Individualisierungswahn eine gute Möglichkeit, sich individuell und als Paar schon früh Gedanken zu machen, was einem wichtig und lieb ist. Und was einem vielleicht auch egal sein kann. Denn je länger ich mich über derlei Hochzeitsfragen Gedanken mache, desto mehr merke ich, wie wenig Präferenzen ich in vielen Geschmacksfragen habe und wie schrecklich gewöhnlich ich doch bin. 🙈

3.) „Die Ehe ist doch viel wichtiger als dieser eine Tag!“ 👆

Dieser Hinweis, den ich vor allem in christlichen Eheratgebern mehrfach gelesen habe, leuchtete mir schon immer sehr ein. Allein schon von der Quantität erschien es mir immer schon unlogisch, so viel in einen Tag zu investieren, wenn man danach noch idealerweise ein ganzes Leben mit tausenden von anderen Tagen vor sich hat. Aber mittlerweile erscheint mir dieser Vergleich doch etwas verkürzt. Denn natürlich ist so ein Tag eine Zäsur, ein Signal und ein Start bzw. ein Übergang in neues Lebenskapitel, der gebührend wahrgenommen und gefeiert werden will.

Gleichzeitig wollen wir uns natürlich auch auf die Ehe vorbereiten. In unzähligen Gesprächen, Reflexionen & Gebeten untereinander und auch in einigen Seminaren und im Austausch mit Freunden haben wir das gemeinsame Leben und das Zusammenspiel von zwei Menschen durchdacht und wenn man so will, „vorbereitet“. Gerade jedoch wenn es um zukünftige Dinge wie Haushaltsführung, gemeinsame Finanzen oder Umgang mit eigenen Kindern und dergleichen ging, waren diese Vorbereitungen eher noch ein abstraktes Herumüberlegen, da man einfach nicht immer sagen kann, wie man sich in 7 Jahren verhält, wenn der Sprößling schreit und der Müll noch nicht runtergebracht ist. Dennoch waren viele Ehe-relevanten Gespräche durchaus hilfreich und verständnis-bringend. 

Gleichzeitig will so ein Hochzeitstag trotzdem geplant werden. Das Wissen um die lange Ehe danach setzt leider hinter keiner einzigen Hochzeits-ToDo ein Häkchen. Aber vielleicht ist es trotzdem hilfreich, die richtige Perspektive zu bewahren und so ein wenig gelassener zu werden. Und nach einigen Entscheidungskonflikten mit Luise kann ich sagen: Ganz so trennscharf sind Hochzeits- und Ehevorbereitungen nicht. Denn das Stemmen eines solchen Großprojekts führt zu Reibung, schweißt zusammen und schafft auch gemeinsame Vorfreude 🙂 

4.) „Der Tag ist nur für euch! / Das ist euer Tag / Hauptsache ihr seid glücklich“😍

Ja, es geht bei einer Hochzeit schon irgendwie um uns und wir freuen uns schon darauf, uns zu freuen. Aber gleichzeitig wollen wir auch Gott an diesem besonderen Tag preisen und uns nicht so sehr in den Mittelpunkt stellen. Darüber hinaus können wir nicht den Wunsch abschütteln, dass sich unsere Gäste freuen und eine gute Zeit haben. Es ist uns eine Ehre, wenn Leute von weiter weg angereist kommen, nur um uns zu sehen. Schon bei anderen Hochzeiten habe ich gedacht, was es für erhabener Moment sein muss, wenn man in die Kirche reinläuft und da so viele liebe Menschen auf einem Haufen stehen, die man aus den unterschiedlichsten Kontexten und Lebensstationen kennt. Diese Lebensfädenzusammenführung ist einmalig für eine Hochzeit – selbst eine große Geburtstagsfete kann das nicht leisten. 

Das Schöne ist doch, dass diese „Sich-Freuen-Geschichte“ im Idealfall eine wechselwirkende Angelegenheit ist. Die Gäste wollen, dass sich das Paar freut und umgekehrt genauso. So viele lächelnde Gesichter wie auf einer Hochzeit trifft man sonst wohl kaum in einem deutschen Setting. Vielleicht ist es ein bisschen so, wie sich Erwachsene bei Geschenkübergaben verhalten – der Schenkende will dem Beschenkten eine Freude machen und der Beschenkte will, dass sich der Schenkende gut fühlt, auch wenn das Geschenk vielleicht nicht so der Brüller ist. Nun ja, ganz so weit will ich diesen Vergleich nicht ziehen und hoffe, dass keiner nur eine Miene zum bösen Spiel macht. 😅

Aber je länger ich über diesen Zusammenhang nachdenke, desto schöner finde ich den Gedanken, wenn wir auch in vielen banalen alltäglichen Situationen mehr um die Freude des Anderen als nur um unsere eigene besorgt sind, ganz im Philipper-2-Stil. 

Doch es soll kein falscher Eindruck entstehen. Bei aller Arbeit ist die Hochzeitsvorbereitung trotzdem ein schönes, einmaliges und besonderes Vorrecht. Eines, was – das muss ich als Verfasser eines kruden Verlobungs-Ref-Vergleichs zugeben – doch um einiges wertvoller und erfreulicher ist als jede Examensvorbereitung ☺️

4 Kommentare zu „Vier Hochzeitsvorbereitungstipps und warum sie nicht immer so leicht funktionieren

  1. Hey Bassi ! Abgesehen von ein Dutzend Fehlern , ganz gut geschrieben!!!! Herzlichst Mama

    Von meinem iPhone gesendet

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  2. Hey Seb so langsam werde ich doch ien treuer LUEHLINGBLOG Leser. Ich habe mich passend ama 19.7. abends mit dem Blogbeitrag auf morgen eingestimmt und wünsche euch einen wunderschönen Tag und hey…“hauptsache es passt zu euch ;-)“ naja und wir Gäste wollen euch ordentlich feiern!!!

Ich freue mich sehr über jegliche Reaktion - egal ob kritisch, ermutigend oder ergänzend :)