Vor zwei Jahren habe ich nach einer ungeplanten Beobachtung des „Weltlachtags“ das Bedürfnis verspürt, dieses kuriose Ereignis und meine Gedanken dazu „mit der Welt“ zu teilen. Mit Luises Ermutigung ging ich kurz entschlossen zu WordPress, überlegte mir einen passenden Titel, eröffnete einen Blog und schrieb los. Ich hatte schon zuvor Reiseblogs geführt, das Teilen von spannenden Kultur- und Reiseerfahrungen ergibt ja auch intuitiv Sinn. Nun war ich mir aber nicht sicher, ob mein alltägliches „inländisches“ Leben interessant genug ist, um geteilt und gelesen zu werden. Ich hatte die vage Überzeugung, dass „erlebte Wahrheiten“ und ehrliche Gedanken schon irgendwas Gutes bewirken können, auch wenn sie nicht in einem spannenden und exotischen Kontext entstanden sind.

Zwar bin ich mir bis heute über den Sinn von öffentlichem Gedankenstriptease nicht ganz sicher, aber dennoch schrieb ich weiter. Wie gehe ich eigentlich vor? Im Alltag notiere ich Impulse und Ideen in eine Themenliste in meiner Notizapp; irgendwann für „später“. Manchmal schreibe ich auch direkt los, wenn mich ein Thema, ein Gespräch oder ein Problem besonders packt. Meistens jedoch versanden viele Schreibideen und Gedanken, entweder weil sie aus meiner Sicht nicht erzählenswert erscheinen oder auch weil ich mir nicht die Zeit nehme, sie genauer zu inspizieren und zu verschriftlichen.

✍️Schreibprozesse und -produkte

Doch ich merke immer wieder, dass genau das eine lohnenswerte Übung und Erfahrung ist. In meinem wenig spektakulären Leben produziert mein Kopf beständig Gedanken – banale und existentielle, hässliche und schöne, zweifelnde und zuversichtliche, persönliche und gesellschaftsbetreffende. Sobald ich anfange, diese aufzuschreiben, zu sortieren und für ein Blogpublikum „aufzubereiten“, und versuche die verschiedenen Gedankenstränge, Gefühle und Aspekte eines Themas zusammenzuführen, schaffe ich selbst ein kleines bisschen Ordnung in meinem Wirrwarr-Kopf. Zugegeben, die Endprodukte, also die Blogposts selbst, sehen immer glatter und polierter aus als mein Innenleben. Sie suggerieren eine Abgeschlossenheit eines Gedankenprozesses, der nicht immer existiert. Aber dennoch waren sowohl der Prozess als auch das Produkt heilsam und hilfreich für mich. Der Prozess schafft mir Klarheit, das Produkt schafft Gesprächsanknüpfungspunkte mit anderen. Selbst jetzt denke ich gelegentlich an die Struktur meiner bisherigen Blogposts. Wenn ich z.B. in Gesprächen mit schwierigen Themen wie Gender oder Originalität konfrontiert bin, hilft es mir, ein paar Gedanken schon mal für mich durchdacht und zusammengeschrieben zu haben.

Genau aus diesem Grund kann ich nur Mut dazu machen, seine eigenen Gedanken in irgendeiner Form zu artikulieren – es muss nicht gleich ein Blog sein, ein Tagebuch oder ein gutes und ausgiebiges Gespräch mit einem Freund oder – sofern man gläubig ist – mit Gott tun es auch. Hauptsache, die Gedanken kommen mal „raus“. Ähnlich wie man, um mal die Symbolik des Blogtitels aufzugreifen, im Frühling gerne wieder raus an die Sonne geht und schon beim Spazieren im Grünen erstaunliche Ruhe von den Arbeiten und Sorgen, die man in der beengten Wohnung manchmal hegt, empfindet, ist es gut, mit den Gedanken bewusst „rauszugehen“. Im Licht lebte es sich besser als in Dunkelheit und Nebel, das wusste Jesus schon (s.u.) 🙂

👀 Ein kurzer Blogging-Rück- und Ausblick

Vor zwei Jahren war Weltlachtag. Dazwischen ist in meinem Leben viel passiert, die Zwischenphasen Ref und Verlobung sind vorbei. Auch die Welt hat sich rasant weitergedreht, der Weltlachtag scheint angesichts der Corona-Krise weit weg. Ich freue mich, durch diese Zeiten mit Gott, Freunden, Mitmenschen zu gehen und sie bei Gelegenheit auch auf diesem Blog zu bewegen. Eins meiner Corona-Projekte war auch der Umzug des Blogs auf eine eigene Domain (fruehlingsleben.de), damit ich mehr Gestaltungs- und Verwaltungsmöglichkeiten habe und keine Werbung mehr den Lesefluss stört. Der Kern des Blogs wird aber weiterhin der Inhalt sein: relativ disparate Gedanken aus meinem Leben, die den Anspruch von frühlingshaftem Aufbruch haben sollen. Auf eine Zielgruppe oder ein konkretes Thema konnte ich mich bisher nicht festlegen, auch wenn alle Blogging-Ratgber genau das empfehlen.  Ich nehme das Leben und meine Gedanken so, wie sie kommen und hoffe ihr könnt ab und zu damit was anfangen 😉 Ich bin allen Leserinnen und Lesern für alles Interesse, Mitlesen, Kritisieren und Ergänzen sehr dankbar. Ich freue mich, weiterhin Leben mit euch zu teilen, egal ob online oder offline 😊

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander. – 1. Johannes 1,7


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