Es gibt für mich kaum etwas Erfrischenderes, als andere begeisterte Menschen zu treffen. Wenn Freunde enthusiastisch eine Geschichte erzählen, für ein Thema oder ein Hobby brennen oder selbst in kleineren Aktivitäten (z.B. Gesellschaftsspiel) richtig aufgehen, dann merke ich auf, dann bin ich dabei und lasse mich auch gerne mal anstecken.

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Auch die Fahrradständer haben es ihm angetan 🚲;-)

In den Pfingstferien hatte ich Besuch von einem meiner begeisterungsfähigsten Freunde. Tristan, den ich 2009 als Missionarskind in meinem Auslandsjahr kennenlernte, und dessen Freundin wollten für ein paar Tage Münster erkunden. Sein excitement war an allen Stellen zu spüren – von der Vorfreude in WhatsApp-Nachrichten („So excited, can’t wait!!“), über die Entzückung über Münster („Wow, all the greenery! And the lake! It’s beautiful!“) bis hin zu seinen Abschiedsworten („Munster 4 life!!“ – das Label hat es ihm angetan ;-)). Als wir eines Abends das doch eher alberne Spiel Kakerlakenpoker gespielt haben, hat er bei jedem Bluff („Are you sure??“) und jeder Niederlage („Oh noooo!“) mitgefiebert und mitgelitten. Bei einer Seilrutsche am Südpark perfektionierte er das Anschubsverfahren und setzte uns und sich selbst ordentlich in Bewegung:

Seilrutsche Südpark Action

Die Zeit mit den Beiden war entsprechend lustig, aktiv und lebhaft. Denn immer da, wo Menschen überdurchschnittlich viel Begeisterung haben und ausstrahlen, werden Andere in Bewegung und ins Staunen versetzt. Ich muss da an den Prediger der Royal Wedding, Michael Curry, denken, der mit seiner feurigen Ode an die Liebe die noble Hochzeitsgesellschaft doch etwas aus dem Konzept brachte. Oder an den verstorbenen Roger Willemsen, der in jedes seiner Interviews so viel Freude und Begeisterung reinsteckte, dass man ihm einfach gerne zuhört. Oder an meinen kleinen Neffen, der sich über seine neusten Errungenschaften und Fähigkeiten so sehr freut…

💓Begeisterung – von innen nach außen

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Schön grün. 🙂

Ich glaube, wir können alle mehr ein wenig Begeisterung im Leben gebrauchen und leben. Wie? Nun, einerseits bin ich überzeugt, dass die Freude von innen kommen muss – denn wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund bekanntlich über (Mt 12,34). Sonst ist Begeisterung nur Show und „amazing“ nur eine Worthülse. Andererseits glaube ich, dass man sich – gerade in unseren Kulturkreisen – auch etwas mehr trauen sollte, Begeisterung auszudrücken, z.B. so:

  • Wenn ich beispielsweise eine spannende Geschichte, die ich erlebt habe, erzähle, kann ich das auf vielfache Weise tun. Ich kann sachlich-nüchtern berichten, das wird jedoch keinen vom Hocker hauen. Besser: Akzente setzen, vielleicht eine beteiligte Person der Geschichte imitieren, Spannung aufbauen etc.
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    ein bisschen Wettbewerb schadet nicht 😉

    Wenn ich mit Freunden ein Spiel spiele oder eine Sportart ausübe, kann ich entweder brav mein Spiel runterspielen oder aber auch ein wenig Ehrgeiz zeigen, spielerischen Wettbewerb leben und sich über die Erfolge des Teams lauthals freuen. Sogar Schadenfreude finde ich in solch einem Kontext auch angemessen 😁

  • Ebenso könnte so manche Begrüßung gerne mal etwas enthusiastischer ausfallen: Warum beispielsweise nicht mal den Namen der Person laut rufen („Max! Schön dich zu sehen!“)?
  • Seinen eigenen Unterricht oder die eigene Präsentation am Anfang als spannend verkaufen (Heute beschäftigen wir uns mit einer sehr spannenden Thematik…) das sollte er/sie natürlich auch sein 😉)
  • Nach einem Treffen seine Freude ausdrücken („Es war sehr/soooo schön!“ Gerne mit emojis 😍).

Das alles regt Atmosphäre an und macht kleine Momente „lebendiger“ und einprägsamer. Sicherlich gibt es auch Raum für die leisen Zwischentöne und für die Schwere des Lebens. Wenn ich einen schlechten, lahmen oder anstrengenden Tag hatte, muss man auch bei mir den Enthusiasmus lange suchen. Zudem fühle ich mich in bestimmten Situationen selbst gehemmt, Begeisterung zu zeigen, z.B. bei allzu skeptischen Menschen, bei prüfenden Blicken oder bei negativen Stimmungen im Raum.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass so mancher grauer Alltag mit ein wenig mehr Begeisterung und Lebensfreude aufgehellt werden könnte. Ich wünsche mir keine Amerikanisierung unseres Smalltalks, sondern ein wenig mehr Traute, Begeisterung in unseren Aktivitäten und Begegnungen auszuleben. Cause it’s exciting!!! 


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4 Kommentare

  1. Hanne

    Süß, ansteckend ! Wie wahr !!!😂👍❣️

    • Danke dir, das freut mich 🙂 Ja, begeisterte Menschen können echt ansteckend sein, und wenn es auch nur für ein paar Momente ist 🙂

Ergänze den Beitrag gerne mit deiner Perspektive